Auf in den Norden
Schweden 2023

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Auf in den Norden
Kurzer Abstecher nach Norwegen
Vildmarksvägen
Im Anschluss ging es nun für mich auf den Vildmarksvägen. Hierbei handelt es sich um Schwedens höchstgelegenste Asphaltstraße. Die rund 500 km lange Straße verläuft von Strömsund im nördlichen Jämtland über Gäddede nach Vilhelmina im südlichen Lappland und mündet bei Dorotea in die E 45.
Allerdings war es nun auf Grund der etwas stärker besuchten bzw. befahrenen Straße schwieriger einen ruhigen und einsamen Übernachtungsplatz zu finden. Aber an einem See hatte ich dann wieder Erfolg und konnte direkt am See stehen. Abends konnte ich den Sonnenuntergang über dem See genießen. Am nächsten Morgen ging es dann direkt aus dem Bett in den noch im Nebel liegenden See zum Schwimmen.
Vorbei an weiteren Wasserfällen ging es nun in die Einsamkeit und die Weite Lapplands. Die Landschaft war mittlerweile genau nach meinem Geschmack. Kurz vor dem mit 876 m höchsten Punkt der Straße traf ich einen Radtouristen aus Deutschland. Wir plauderten eine ganze Weile, bevor sich ein jeder wieder auf den weiteren Weg machte.
Am schönsten von all den vielen Wasserfallen gefiel mir der Trappstegsforsen, was übersetzt Treppenstufenwasserfall bedeutet. Hier fällt der Fluss Långselforsen auf seiner gesamten Breite über unzählige Stufen.
Reise in die Vergangenheit
In Sorsele besuchte ich ein im ehemaligen Bahnhofsgebäude untergebrachtes Museum. Hier konnte man sehr viel interessantes zur Inlandsbanen erfahren. Und noch dazu gab es ein Café mit leckerem Kuchen und Gebäck. Genau richtig für eine schwedische Fika, die berühmte Kaffeepause. Und kurz vor dem Überqueren des Polarkreises traf ich dann auch auf die ersten Rentiere, sowohl am Straßenrand als auch mitten auf der Fahrbahn. Nun war ich in Schwedisch Lappland angekommen.
Für die kommende Nacht hatte ich mir den Gipfel des Berges Dundret ausgesucht. Auf dem 821 m hohen, südlich der Stadt Gällivare gelegenen Gipfel, hatte ich damals mit meinem Honker die Mitternachtssonne erleben können. Dafür war ich nun, 12 Jahre später, zu spät im Jahr unterwegs. Aber die Aussicht war genauso schön wie damals. Und auch ohne Geländewagen konnte ich über eine holprige Piste meinen damaligen Übernachtungsplatz gut erreichen.
Kebnekaise – ein neuer Versuch
Durch die letzten Tage war ich nun ausgeruht genug, um mich auf ein neues Abenteuer zu begeben.
Ziel meiner Reise in den hohen Norden war ein erneuter Versuch den Nordgipfel des Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens, zu besteigen. Bereits 2011 startete ich einen ersten Versuch. Diesen musste ich aber nach am Starttag abbrechen, da ich mir Blasen gelaufen hatte. Im letzten Jahr (2022) war das Wetter nicht ideal, so dass ich auf dem Südgipfel aufgeben musste. Es gab starke Sturmböen, die ein Begehen des Grates zum Nordgipfel unmöglich machten.
In diesem Jahr hoffte ich auf mehr Glück. Allerdings versprach ein Blick auf den Wetterbericht ließ aber erneut Spannung aufkommen. Am besten sah noch der morgige Dienstag aus, bevor viel und tagelang anhaltender Regen einsetzen sollte.
Also ging es vom Dundret direkt nach Nikkaluotka. Hier packte ich die nötige Ausrüstung für die nächsten Tage zusammen und begab mich auf bekannte Wege. Anders als im letzten Jahr, entschied ich mich bereits auf dem Hinweg für die Fähre und konnte so knapp 5 km sparen. Allerdings für einen stolzen Preis von 450 SEK, umgerechnet ca. 40 EUR. Bereits auf dem Boot begann es leicht zu regnen.
Wie bereits im letzten Jahr, schlug ich mein Zelt knapp 1 km hinter der Kebnekaise Fjäll Station auf.
Kurz vor der Abreise bin ich noch von meinem altbewährten und Regen- und Sturmerprobten MSR Hubba HP 1 Personenzelt auf das MSR Freelite 2 gewechselt. Bei gleichem Gewicht, inkl. Unterlage und Heringen lediglich knapp 1.300 g, habe ich nun im Innenraum doppelt so viel Platz und ein Zelt was auch für 2 Personen geeignet ist. Der Probeaufbau im heimischen Wohnzimmer gelang recht problemlos. Allerdings ist dies etwas anderes als unter freiem Himmel bei Wind und Regen. Zwar konnte ich das Zelt recht gut aufbauen, allerdings schaffte ich es nicht, den Innenraum komplett trocken zu halten. Das war kein perfekter Start der Tour.
Nach einem Abendmahl im Zelt ging es bereits am frühen Abend in den Schlafsack.
Am nächsten Morgen hatte ich mir den Wecker auf kurz vor 5 Uhr gestellt. Ich fühlte mich jedoch ziemlich kaputt und überlegte bereits jetzt, ob ich mich wirklich auf die Tour begeben sollte. Zum Großteil lag es wahrscheinlich an der Kälte und dem aber rasch abklingenden Regen. Geschlafen hatte ich ganz gut. Hatte ich hier evtl. schon eine Vorahnung was mich heute erwarten sollte? Ich frühstückte und machte mich dann doch gegen 5:30 Uhr auf den Weg. Genau wie im letzten Jahr wählte ich für den Aufstieg den Östra Leden, welcher über den Gletscher und einen kurzen und recht einfachen Klettersteig führt. Bis zur Querung des Baches im Aufstieg lief es noch recht gut. Auch war es trocken und man konnte noch viel von der Landschaft sehen. Nach der Querung des Baches ging es weiter steil bergauf. Hier hatte ich bereits ganz schön mit meiner Kondition zu kämpfen und musste immer wieder Pausen einlegen. Eigentlich fühlte ich mich in den letzten Monaten sehr fit. So wirklich konnte ich die jetzige Kondition nicht einordnen. Ich kämpfte mich bis zum Rand des Björlings Gletscher (Björling glaciär) auf ca. 1.560 m Höhe, machte eine längere Pause und montierte die Steigeisen. Auch wenn man die Steigeisen zu Beginn eigentlich noch nicht benötigt, fand ich es gerade zum Ende des Gletschers hin, wo es deutlich steiler wurde, sehr angenehm. Allerdings waren an dieser Stelle aktuell auch 2 Fixseile vorhanden. Hierdurch war zum einen der Abstieg vom Gletscher entspannter zu begehen, zum anderen konnte man den Einstieg in den Klettersteig nicht verfehlen.
Der sich nun anschließende Klettersteig war, wie bereits im letzten Jahr, für mich gut zu begehen. Der Fels war griffig und fest und die Stahlseile machten ein Versteigen eigentlich unmöglich. Nach dem Klettersteig war es nur ein kurzes Stück, bis ich unweit der Gammla Stuga (Alte Schutzhütte) auf den Västra leden traf. Etwas abseits des Weges lag dann auf knapp 2.050 m Höhe die neue Schutzhütte. Diese war aber auf Grund des schlechten Wetters nur sehr schwer auszumachen. Ich orientierte mich mit meiner digitalen Karte. In der Hütte kochte ich mir erstmal ein Mahl und zog mir trockene Sachen an. Der Regen war nun mittlerweile sehr unangenehm. Insgesamt brauchte ich hierher 6 Stunden. Dies war deutlich mehr als im letzten Jahr. Nach dem ich mich gestärkt hatte, machte ich mich auf, den Südgipfel (Sydtoppen) zu besteigen. Am Beginn des Schneefeldes zog ich mir nochmals die Steigeisen an Den Rucksack hatte ich in der Hütte gelassen und hatte lediglich noch den Eispickel dabei. Da nun mittlerweile kaum noch Sicht vorhanden war, orientierte ich mich erneut digital. Vom Südgipfel war leider absolut keine Sicht. Zudem regnete es weiterhin und es wehte, wie bereits im letzten Jahr, ein ziemlich starker und kalter Wind, der dazu noch ziemliche Böen mitbrachte. In Richtung des Nordgipfel war zwar eine Pfadspur vorhanden, aber ohne jegliche Sicht und mit Böen würde ich auch in diesem Jahr hier meine Tour beenden und umkehren. Es fiel mir nicht leicht, aber alles andere wäre mehr als unvernünftig gewesen. Zu dem war ich auch bereits vom Aufstieg ziemlich platt und hatte noch einen recht langen Abstieg vor mir. So ging es für mich zurück in die Hütte wo ich mich nochmals stärkte und meinen Rucksack nahm. Nun machte ich mich im Dauerregen auf dem Västra Leden (dem westlichen Weg) zurück zu meinem Zelt. Der Weg bestand vorerst nur aus Geröll, welches teilweise wackelte und noch dazu durch die Nässe teilweise sehr rutschig war. Am Gegenanstieg zum 1.700 m hohen Berg Vierranvárri musste ich extrem kämpfen, bevor es im Anschluss dann immer weiter abwärts ging. Für den Rückweg brauchte ich nicht ganz 4 Stunden. Gegen 17:00 Uhr war ich völlig fertig und sehr durchnässt wieder an meinem Zelt. Ich kochte mir noch eine Mahlzeit und machte es mir im Zelt gemütlich. Die Tour war für mich extrem hart und führte mich sehr stark an meine Grenzen. Ich kann nicht sagen warum, fühlte ich mich im Vorwege doch sehr fit.
Am nächsten Morgen baute ich bereits gegen 5 Uhr mein Zelt ab. Zu diesem Zeitpunkt regnete es nicht. Aber direkt nach dem Packen und dem Frühstücken setzte erneut Regen ein. So entschied ich mich auch heute für die kurze Fährpassage. Auf dem Rückweg in die Zivilisation gönnte ich mir noch den obligatorischen Rentierburger. Auch dieser hatte mit rund 20 EUR einen stolzen Preis, schmeckte aber erneut super.
In Nikkaluotka packte ich mein Auto für die nächsten Tage und sprang noch unter die heiße Dusche. Was für eine Wohltat nach der ganzen Nässe und der recht frischen Temperaturen.
Nun hieß es ab in den Süden. Anfangs begleitete mich der Regen noch weiter. In Töre, am nördlichen Ende der Ostsee traf die von mir genutzte E 10 auf die E 4. Von hier waren es nur 70 km nach Tornio, dem Grenzort zu Finnland. Die Versuchung war groß, wieder einmal nach Finnland zu reisen. Aber es siegte die Vernunft und es ging am westlichen Ufer der Ostsee, und somit auf schwedischer Seite, gen Süden.
Raus aus dem Regen
In der Nähe von Luleå deckte ich mich in einem Supermarkt mit neuen Lebensmitteln ein und gönnte mir in einer Pizzeria eine leckere Pizza. Ein Übernachtungsplatz direkt am See Luleälven war schnell gefunden. Aber was heißt See, eigentlich war es eine Ostseebucht. Am nächsten Morgen war es sogar so trocken, um meine nassen Sachen im Wind trocknen zu können. In der Zwischenzeit erkundete ich die Umgebung bei einem ausgedehnten Spaziergang. Den Mittag verbrachte ich dann in der Nähe von Skelleftehamn direkt an der Ostsee. Am Abend machte ich es mir dann an einem schönen Sandstrand in der Nähe von Nordmaling gemütlich. Bevor ich den Kocher anwarf, erkundete ich auch hier noch die Umgebung. Man konnte immer wieder auf schöne Felsformationen klettern. Im Anschluss ging es dann noch kurz zu einem Bad in die Ostsee, bevor ich mich im Sonnenuntergang stärkte.
Rund um Hudiksvall
Am nächsten Tag ließ ich mich noch weiter durch die schöne Landschaft treiben. Durch Zufall entdeckte ich in einer App, das heute ganz in der Nähe ein Treffen von Geocachern stattfand. Ich entschloss mich zu einem Besuch. Es war eine kleine Runde von 5 Personen. Aber die Lokation war gut ausgesucht. Es gab leckeres Eis und lustige und interessante Gespräche. Es war ein toller Nachmittag, sogar erneut mit Sonnenschein.
Am Abend hatte ich dann eine erneute Elchbegegnung. Dieses Mal sogar eine Elchkuh mit 2 jungen Elchen. Dies war auf dieser Tour nun schon meine zweite Begegnung mit diesen tollen Tieren. Was für ein entspannter Ausklang meiner Reise.
Mein nächster top am Vätternsee war dann wieder verregnet. Da der Wetterbericht auch für die nächsten tage weiter Regen ankündigte und noch dazu Sturm versprach, machte ich mich dann auf die direkte Rückreise nach Kiel.
Es war eine ganz andere Reise als geplant. Ich genoss es aber sehr, mich einfach durch Schweden abseits der Hauptstraßen treiben zu lassen, die Natur und Ruhe zu genießen und immer wieder tolle Orte zu entdecken.